Meine letzte (kurze) Tagestour führte mich an die Grenze zwischen Hessen und Thüringen. Gestartet bin ich in der hessischen Stadt Friedewald. Die Stadt ist direkt in wenigen Minuten von der Autobahn A4 erreichbar. Daher eignet sich diese Tour sicherlich für viele Besucher - auch mit Anreise. Ich hatte bis zur Autobahnabfahrt eine Anreise von rund 60 Minuten.

Ein passender Einstieg der Reise war die
Wasserburg Friedewald. Die mittelalterliche Verteidigungsanlage mit Ihren ausgeprägten Türmen ist noch heute ein beeindruckendes Zeugnis dieser stürmischen Zeit. Ein bisschen fühlt man sich beim Blick über den Wassergraben ins schottische Hochland versetzt mit seinen typischen “Castles”.
Direkt neben der Burg liegt das Schloss Friedewald, das heute als *****-Luxushotel von Familie Göbel betrieben wird. Das Café des Schlosshotels lädt bei gutem Wetter unbedingt zu einem kleinen Zwischenstopp mit Blick auf die alte Burg ein.
Bei einem Spaziergang um die Teichanlagen des Schlossparks lässt sich das nächste Objekt der Reise am besten betrachten: Schloss Philippsthal (der Name geht auf Prinz Philipp von Hessen zurück) - in dem heute die Gemeindeverwaltung der Stadt untergebracht ist. Am Mittwoch nach Pfingsten findet im Innenhof des Schlosses der Philippsthaler Pfingstmarkt statt. Zahlreiche Stände laden zum Verweilen, Bummeln und natürlich auch zum Einkaufen ein.
Auf den Spuren der jüngsten deutschen Vergangenheit führt die heutige Tour fast ausschließlich durch Ort, die direkt an die frühere innerdeutsche Grenze anschließen. Vor der Maueröffnung waren viele der heute besuchten Orte von Zivilpersonen nicht betretbar. Daran erinnert im Torbogen des Schlosses Philippsthal das Grenzmuseum (geöffnet nach telefonischer Vereinbarung unter 06620-1432).
Weiter geht’s jetzt über die Landesgrenze nach Thüringen in die Stadt Vacha (”Das Tor zur Rhön”). Landschaftlich schlängeln wir uns jetzt durch das wunderschöne Rhöntal. Die “Steinerne Brücke” führt seit 1342 den Weg nach Vacha, bewacht von Burg Wendelstein, heute Heimatmuseum, u.a. mit Thüringens größter Puppensammlung.
Die alte Fachwerkstadt ist vor allem deshalb so sehenswert, weil Sie zu DDR-Zeiten über 50 Jahre lang im “Dornröschenschlaf” des Sperrgebiets der innerdeutschen Grenze lag.
Den Herrensitz Gehaus erreichen wir am Rand des Feldatales in der vorderen Rhön. 1715/1716 wurde das Schloss durch Graf Eduard von Boineburg errichtet. Ein Wappen über dem Hauseingang erinnert daran. Das Schloss ist nur von außen zu besichtigen und in baulich schlechtem Zustand.
Beim Besuch in Geisa musste ich mich erst einmal anhand eines Plan davon überzeugen, dass das stattlichste Gebäude neben dem Rathaus das Amtsgericht und nicht das Schloss ist. Das eigentliche Schloss Geisa direkt nebenan, nimmt sich dann auch eher bescheiden an. Es diente als Jagdschloss und Sommerresidenz der fuldischen Fürstäbte und Fürstbischöfe.
Zwischen Geisa (Thüringen) und Rasdorf (Hessen) innerhalb der ehemaligen Grenzbefestigung liegt die Gedenkstätte Point Alpha. Sie war bis 1989 einer der markantesten Beobachtungsstützpunkte der US-Streitkräfte in Europa, mitten im Zentrum der NATO Verteidigungslinie Fulda-Gap (Fulda-Senke). Im Ernstfall wurde hier ein Angriff der Truppen des Warschauer Paktes befürchtet.
1968 erfolgte die Errichtung eines Holzturmes, von dem man Geisa einsehen konnte, 1982 entstand ein Stahlturm. 1985 errichtete man den heute noch vorhandenen Betonturm. 1991 räumte die U.S. Army den BOP Alpha.
Das etwa vier Kilometer von Geisa entfernt gelegene Dorf Buttlar gab dem Geschlecht derer von Buttlar seinen Namen. Einige von ihnen brachten es immerhin zu Fürstäbten im Stift Fulda. Schloss Buttlar mit herrlicher Parkanlage ist leider nicht zu besichtigen, da es privat genutzt wird. Man kann allerdings Ferienwohnungen im Schloss mieten.
Einen schönen Abschluss meiner Tour bot Mansbach ein Ortsteil des Stadt Hohenroda (gesperrte Ortsdurchfahrten immer ignorieren und durchfahren!). Hier braucht man sich nur einmal unzudrehen und schon hat man zwei Schlösser und eine Burg gesehen. Ursprünglich ist hier der Stammsitz der Herren von Mansbach zu finden, zu denen sich 1652 durch Zukauf das Adelsgeschlecht der von Geyso gesellte.
Das Mansbach-Schloss ist eine schlichte, dreiflügelige Anlage im klassischen Stil um 1820. Wesentlich stattlicher das gegenüber befindliche Geyso-Schloss Mansbach, aus der Renaissance-Zeit. Neben dem Geyso-Schloss befindet sich das Verwaltungsgebäude (Wohlfahrtsgebäude, Remonteamt) auf den Grundmauern der Eulenburg (”Alte Burg”), dem ursprüngliche Burgsitz (Wasserburg) der Herren von Mansbach.
In der Nähe von Mansbach befinden sich zudem noch die Überreste der frühmittelalterlichen Grasburg aus dem 8./9. Jahrhundert.